Gründungsgeschichte des Caritas Baby Hospital

Die Geschichte des Caritas Baby Hospital beginnt mit Menschen, die angesichts grosser Not nicht wegschauten. 1949 reiste die junge Schweizerin Hedwig Vetter im Auftrag von Caritas Schweiz in den Nahen Osten. In Bethlehem begann sie gemeinsam mit dem palästinensischen Arzt Dr. Antoine Dabdoub, kranke und unterernährte Kinder medizinisch zu versorgen. Ab 1952 gewann diese Arbeit mit Pater Ernst Schnydrig einen engagierten Förderer in der Schweiz und in Deutschland.

Aus einem einfach eingerichteten Raum in der Altstadt von Bethlehem entwickelte sich über viele Jahre das Caritas Baby Hospital. Heute ist es das einzige ausschliesslich auf Kindermedizin spezialisierte Spital im Westjordanland. Seine Geschichte zeigt, was entstehen kann, wenn humanitäres Engagement, medizinische Kompetenz vor Ort sowie internationale Solidarität dauerhaft zusammenwirken.

Medizinische Hilfe in einer Zeit grosser Not

Nach der Gründung des Staates Israel im Mai 1948 brach im früheren Mandatsgebiet Palästina Krieg aus. In der israelischen Geschichtsschreibung wird dieser Krieg als Unabhängigkeitskrieg bezeichnet, in der palästinensischen Geschichtsschreibung als Nakba, arabisch für «Katastrophe». Hunderttausende Palästinenserinnen und Palästinenser wurden vertrieben oder mussten fliehen. Viele lebten unter schwierigsten Bedingungen in Lagern, Zelten, Höhlen und notdürftigen Unterkünften. Hunger, Kälte und Krankheiten waren weit verbreitet.

In dieser Situation entsandte Caritas Schweiz die 24-jährige Hedwig Vetter in den Nahen Osten. Sie sollte sich ein Bild von der Lage der Flüchtlinge machen, Hilfsgüter verteilen und die Caritas-Hilfe vor Ort aufbauen. Am 18. März 1949 traf sie in Bethlehem ein. Dort organisierte sie unter anderem Lebensmittel, Decken und Medikamente für Flüchtlingsfamilien und konzentrierte ihre Arbeit zunehmend auf kranke und unterernährte Kinder.

Von Anfang an galt ein Grundsatz, der die pädiatrische Arbeit des späteren Kinderspitals bis heute prägt: Jedes kranke Kind soll notwendige medizinische Hilfe erhalten, unabhängig von seiner Herkunft oder Religion.

Der Anfang des Caritas Baby Hospital in Bethlehem

Im Sommer 1949 lernte Hedwig Vetter den palästinensischen Arzt Dr. Antoine Dabdoub kennen. Gemeinsam überlegten sie, wie sie angesichts begrenzter Mittel möglichst wirksam helfen konnten. Ihre Zusammenarbeit verband humanitäres Engagement mit medizinischer Kompetenz und einer genauen Kenntnis der Lebensbedingungen vor Ort.

1950 mieteten sie einen Raum in einem alten Haus im Zentrum der Bethlehemer Altstadt. Die Ausstattung war bescheiden, der Name hingegen zuversichtlich: «Caritas Outpatient Clinic». Der Raum diente als Ambulatorium und Säuglingszentrum. Hier wurden kranke Kinder untersucht und behandelt. Gleichzeitig erhielten Mütter Informationen über Hygiene, Säuglingspflege und die Vorbeugung von Krankheiten.

Damit war bereits in den Anfängen jener ganzheitliche pädiatrische Ansatz angelegt, der nicht allein eine Krankheit behandelt, sondern das Kind und seine Familie in den Blick nimmt. Die Verbindung von Kindermedizin, Gesundheitsvorsorge und Beratung prägt das Caritas Baby Hospital bis heute.

Die Nachfrage nach medizinischer Hilfe war gross. 1953 konnten im Regionalspital von Bethlehem Räume mit 15 Betten gemietet werden. Erstmals war es damit möglich, kranke Kinder auch stationär zu behandeln. Zwei Jahre später zog das Angebot in einen Pavillon auf dem Gelände des Hôpital de la Sainte Famille um, wo mehr Kinder aufgenommen werden konnten.

Das Caritas Baby Hospital entstand somit nicht an einem einzigen Gründungstag. Es entwickelte sich Schritt für Schritt aus der medizinischen Zusammenarbeit vor Ort und aus dem wachsenden Bedarf an pädiatrischer Versorgung.

Ein Mitstreiter und Brückenbauer in Europa

1952 reiste der Walliser Pater Ernst Schnydrig nach Bethlehem. Im Auftrag der Caritas sollte er sich ein Bild von der Lage und der bereits begonnenen medizinischen Arbeit machen. Beeindruckt vom Engagement vor Ort wurde er zu einem entscheidenden Mitstreiter und Förderer des entstehenden Kinderspitals.

Während Hedwig Vetter und Dr. Antoine Dabdoub die Arbeit in Bethlehem aufbauten und weiterentwickelten, machte Pater Ernst Schnydrig die Not der Kinder in Europa bekannt. Er nutzte seine Kontakte in der Schweiz und in Deutschland, warb um Unterstützung und gewann eine wachsende Spendenbereitschaft von Pfarreien und vielen Einzelpersonen.

Die Gründung der Kinderhilfe Bethlehem

Mit dem Ausbau der medizinischen Angebote wuchsen auch die organisatorischen und finanziellen Anforderungen. Hedwig Vetter wirkte zunächst als Caritas-Delegierte und später als Direktorin des Caritas Baby Hospital. 1962 ernannte die Stadt Bethlehem sie zur Ehrenbürgerin und würdigte damit ihren langjährigen Einsatz.

Um die pädiatrische Arbeit dauerhaft abzusichern, wurde auf Initiative von Pater Ernst Schnydrig 1963 ein eigener Trägerverein gegründet, aus dem die heutige Kinderhilfe Bethlehem hervorging. Der Verein übernahm langfristige Verantwortung für das Kinderspital und gab ihm eine eigenständige rechtliche und finanzielle Grundlage.

Caritas Schweiz und der Deutsche Caritasverband blieben dem Werk als Gründungsmitglieder verbunden. Die Kinderhilfe Bethlehem arbeitet jedoch operativ und finanziell selbstständig und erhält von den Caritasverbänden keine finanzielle Unterstützung.

Eine besonders wichtige Form der Unterstützung begann 1964. In den Diözesen Basel, Chur und St. Gallen wurde an Weihnachten erstmals eine Kollekte für das Kinderspital in Bethlehem aufgenommen. Weitere Schweizer Diözesen schlossen sich in den folgenden Jahren an. Die Weihnachtskollekte verband die Feier der Geburt Christi mit den Kindern, die heute in Bethlehem leben. Sie machte das Kinderspital in der Schweiz bekannt und wurde zu einer wichtigen Grundlage seiner langfristigen Finanzierung.

Ein eigenes Kinderspital entsteht

Die pädiatrische Versorgung entwickelte sich auch unter wechselnden politischen und wirtschaftlichen Bedingungen weiter. 1966 bezog das Kinderspital grössere Räume in Bethlehem. Ein geplantes Spitalprojekt mit mehr Betten konnte infolge des Krieges von 1967 nicht verwirklicht werden. Die schwierigen Verhältnisse verzögerten den Ausbau, hielten ihn aber nicht dauerhaft auf.

Schliesslich entstand ein eigenes Spitalgebäude, das im April 1978 eingeweiht wurde. Der Neubau war das Ergebnis des langjährigen Einsatzes vieler Menschen in Bethlehem, der Schweiz und Deutschland. Pater Ernst Schnydrig hatte das Projekt mit grosser Beharrlichkeit vorangetrieben, erlebte die Einweihung jedoch nicht mehr. Wenige Tage zuvor war er in Freiburg im Breisgau (Deutschland) verstorben.

Mit dem eigenen Gebäude erhielt die über fast drei Jahrzehnte gewachsene Kindermedizin ein dauerhaftes Zuhause. Die Einweihung von 1978 war deshalb nicht der Beginn des Caritas Baby Hospital, sondern ein bedeutender Meilenstein auf seinem Weg zu einem spezialisierten Kinderspital.

Vom Kinderspital zum medizinischen Kompetenzzentrum

Seit 1978 wurde das Caritas Baby Hospital kontinuierlich erweitert und modernisiert. Das medizinische Angebot entwickelte sich weiter und spezialisierte sich zunehmend. Ein wichtiger Schritt war die Eröffnung der pädiatrischen Intensivstation im Jahr 2013. Seither können auch schwer kranke Neugeborene, Säuglinge, Kinder und Jugendliche umfassend intensivmedizinisch versorgt werden.

Palästinensische Fachkräfte übernahmen schrittweise weitere Leitungsaufgaben. Heute liegt die operative Leitung des Caritas Baby Hospital vollständig in palästinensischen Händen. Als Trägerverein arbeitet die Kinderhilfe Bethlehem partnerschaftlich mit den Verantwortlichen des Spitals zusammen und trägt die Gesamtverantwortung für das Werk.

Das einzige ausschliesslich auf Kindermedizin spezialisierte Spital im Westjordanland behandelt nicht nur kranke Kinder, sondern übernimmt auch eine wichtige Rolle bei der Weiterentwicklung des palästinensischen Gesundheitswesens. Als anerkanntes Lehrspital bildet das Caritas Baby Hospital angehende Kinderärztinnen und Kinderärzte während ihrer Facharztausbildung aus. Zudem bietet es Fort- und Weiterbildungen für Pflegefachpersonen und weitere Gesundheitsberufe an. So stärkt das Spital langfristig die pädiatrische Versorgung in der gesamten Region.

Die Gründungsidee lebt weiter

Was Hedwig Vetter, Dr. Antoine Dabdoub und Pater Ernst Schnydrig gemeinsam begannen, prägt das Caritas Baby Hospital bis heute: Kranke Kinder sollen die medizinische Hilfe erhalten, die sie benötigen, unabhängig von ihrer Herkunft, Religion oder der wirtschaftlichen Situation ihrer Familie. Das Caritas Baby Hospital entwickelt seine pädiatrischen Angebote kontinuierlich weiter, begleitet Familien und trägt dazu bei, die medizinische Versorgung von Kindern im Westjordanland zu stärken.

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