Forschung mit globaler Bedeutung

Forschung mit globaler Bedeutung


Blickpunkt Bethlehem, Nr. 76 - Interview

Die Studie des Caritas Baby Hospital im Überblick.
Foto: © CBH

Das Caritas Baby Hospital in Bethlehem forscht als Mitglied eines internationalen Konsortiums an Rotavirus-Infektionen in Palästina und verfügt über die grösste pädiatrische Rotavirus-Datenbank des Landes. Die Ergebnisse der Kollaboration wurden kürzlich am Rotavirus-Symposium 2025 in Kapstadt/Südafrika vorgestellt und fanden internationale Beachtung. Die Forschung des Kinderspitals war zudem entscheidend für die Einführung eines von der Weltgesundheitsorganisation WHO genehmigten Impfstoffes.

Fünf Fragen von Shireen Khamis an Dr. Musa Hindiyeh

 

Wie hat das Forschungsprojekt am Caritas Baby Hospital begonnen?

Unsere Forschung wird eng mit dem palästinensischen Gesundheitsministerium abgestimmt. Bereits früh haben wir begonnen, systematisch Proben zu sammeln und zu analysieren. So entstand über mehr als zehn Jahre hinweg die grösste pädiatrische Rotavirus-Datenbank in Palästina. Sie erlaubt uns, Trends zuverlässig zu erkennen und evidenzbasierte Empfehlungen für die nationale Versorgung zu entwickeln.

Was sind die wichtigsten Erkenntnisse Ihrer Rotavirus-Studie?

Wir konnten zeigen, dass die Einführung der Rotavirus-Impfung schwere Magen-Darm-Erkrankungen bei Kindern deutlich reduziert. Ebenso bedeutsam war der Nachweis, dass der Wechsel auf einen neuen, kostengünstigen Impfstoff die Wirksamkeit nicht beeinträchtigt. Zudem konnten wir erstmals weitere virale und bakterielle Erreger identifizieren, die bei Kindern in Palästina zirkulieren.

Wie wurden Ihre Forschungsarbeiten aufgenommen?

Unsere Beiträge wurden auf der Rotavirus-Konferenz 2025 in Südafrika mit mehreren Reisestipendien ausgezeichnet. Besonders gefreut hat uns, dass die Zusammenarbeit mit der Gates Foundation zur Entwicklung eines neuen, kostengünstigen Impfstoffs beigetragen hat. Das zeigt, wie sehr die Forschung, an der wir beteiligt sind, auch über Palästina hinaus Wirkung zeigt.

Welche Rolle spielen Partnerschaften und Kooperationen für Ihr Projekt?

Partnerschaften sind unverzichtbar. Lokal arbeiten wir eng mit der Palestinian Medical Technology Union sowie verschiedenen Universitäten zusammen, die unsere Daten für weitere Analysen nutzen. Durch die Partnerschaft mit der Rostropovich Vishnevskaya Foundation und der Gates Foundation sind wir in ein internationales Forschungs-konsortium eingebunden. Zudem hilft uns die University of the Free State in Südafrika mit modernsten genetischen Sequenzierungen, die wir in Bethlehem selbst nicht durchführen könnten.

Was sind Ihre zukünftigen Ziele?

Wir möchten unsere Forschung weiter vorantreiben und die Ergebnisse in renommierten wissenschaftlichen Zeitschriften wie The Lancet Global Health veröffentlichen. So können wir dazu beitragen, dass auch andere Länder, insbesondere jene mit niedrigem und mittlerem Einkommen, von unseren Erkenntnissen profitieren und die Gesundheit von Kindern weltweit verbessern. 

 

Forschung mit globaler Bedeutung BB 76 Feb. 2026

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Zusammen mit Dr. Natali Rishmawi (Belegärztin,l.) und Majd Al-Laham (Laborassistentin,r.) wertete Dr. Musa Hindiyeh (Laborleiter) die Datensammlung des Caritas Baby Hospital aus.

Foto: © CBH

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