Dank Bildung auf morgen vorbereitet

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Blickpunkt Bethlehem, Nr. 77 - Interview

George Haddad, Leiter des Terra Sancta College, hält den Schulalltag trotz Krise auf Kurs.
Foto: © George Haddad

Ähnlich wie das Caritas Baby Hospital in der Gesundheitsversorgung leisten nichtstaatliche und kirchliche Institutionen einen wichtigen Beitrag im Bildungswesen. Wie Schule trotz anhaltender Unsicherheit möglich bleibt, beschreibt George Haddad, Leiter des Terra Sancta College in Bethlehem, und zeigt, welche Rolle Verantwortung und Gemeinschaft dabei spielen.

Interview von Shireen Khamis

George Haddad ist 43 Jahre alt und stammt aus der kleinen christlichen Gemeinschaft in Jenin im Norden des Westjordanlands. Ursprünglich studierte er Ingenieurwesen und Management, um seine Familie zu unterstützen, die seit Generationen in der Landwirtschaft tätig ist. Mit 32 Jahren trat er dem Franziskanerorden bei. Seit Juli 2023 leitet er das Terra Sancta College in Bethlehem und arbeitet darüber hinaus als Priester und Seelsorger.

Das Terra Sancta College in Bethlehem wurde bereits 1598 gegründet und gilt als eine der ältesten Schulen im Nahen Osten. Heute besuchen mehr als 1’200 Schülerinnen und Schüler – je zur Hälfte muslimisch und christlich – die Schule. Neben der Ausbildung bis zur Matura bietet sie auch berufliche Ausbildungen, etwa in den Bereichen Hotellerie, Kosmetik oder Elektroberufe.

Wie hat die aktuelle Sicherheitslage das Lernen in Bethlehem beeinflusst?

Die erste grosse Herausforderung in meiner neuen Position war der Beginn des Gazakriegs im Oktober 2023. Das Schuljahr hatte erst 40 Tage zuvor begonnen. Wir hielten bewusst am Präsenzunterricht fest, da die Erfahrungen während der Pandemie für Schüler und Lehrpersonen schwierig waren. Der Krieg brachte Angst und Unsicherheit mit sich. Deshalb organisierten wir auch psychologische Unterstützung für die Schüler. Dabei war es für uns enorm wichtig, dass Kinder trotz allem die Bedeutung von Bildung nicht vergessen und weiter auf eine bessere Zukunft hoffen.

Wie konnten Sie die Schülerinnen und Schüler in dieser Zeit unterstützen?

Durch eine direkte Ansprache und finanzielle Unterstützung für die Familien. Mit persönlichen Gesprächen und psychologischen Angeboten kann man die Resilienz der Schüler nur zum Teil stärken. Daher haben wir trotz der ohnehin niedrigen Schulgebühren viele Familien finanziell entlastet und Gebühren erlassen. Das schaffte Stabilität und sicherte kontinuierliches Lernen.

Allgemein ist die Situation des palästinensischen Bildungssystems gegenwärtig desolat. Die Palästinensische Autonomiebehörde ist seit Jahren nicht mehr in der Lage, ihre Angestellten vollständig zu bezahlen. Löhne werden verspätet oder nur teilweise ausbezahlt. Der um drei Wochen verspätete Schulstart im September 2025 war eine direkte Folge dieser Entwicklung. Im Vergleich dazu steht das Terra Sancta College auf einer stabileren Grundlage. Die Schule gehört zur Kustodie der Franziskaner im Heiligen Lande und ist als nichtstaatliche, gemeinnützige Institution organisiert. Dadurch ist sie nicht von staatlicher Unterstützung abhängig und kann ihren Bildungsauftrag kontinuierlich erfüllen.

Was gibt Ihnen in diesen schwierigen Zeiten Hoffnung?

Ich bin unglaublich stolz auf unsere Schülerinnen und Schüler. Sie sind die Zukunft unseres Landes. Viele von ihnen erzielen trotz der wirklich schwierigen Rahmenbedingungen hervorragende akademische Leistungen, was mich sehr bewegt.

Hat sich das gesellschaftliche Miteinander verändert?

Das gemeinsame Leid hat die Menschen näher zusammengebracht. Menschlichkeit trat über religiöse und soziale Unterschiede hinweg in den Vordergrund. Heute wächst das Bewusstsein dafür, dass jeder Mensch auf seine eigene Weise zählt und einen sinnvollen Beitrag zur Bewältigung gemeinsamer Herausforderungen leisten kann.

 

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