Das Spital als Partner der Schulen

Das Spital als Partner der Schulen


Blickpunkt Bethlehem, Nr. 77 - Wissen

Vermittelt sensible medizinische Themen in den Schulen: Milad Azar.
Foto: © CBH

Wie lassen sich Kinder und Jugendliche frühzeitig für das Thema Gesundheit sensibilisieren? Um dies zu erreichen, wirkt das Kinderspital über die Spitalmauern hinaus. Der Community Service des Spitals geht direkt in die Schulen Bethlehems.

Seit mehr als zehn Jahren richtet das Kinderspital in palästinensischen Schulen Aufklärungsarbeit aus. Gegenwärtig werden Workshops des Programms «Bulugh» (Pubertät) an vierzehn der 22 Schulen Bethlehems angeboten. «Viele Jugendliche haben Fragen zu ihrem Körper und Gefühlen, die sich plötzlich irgendwie ändern. Aber sie sind oft zu schüchtern, darüber zu sprechen », sagt Milad Azar, In-Service- und Community-Koordinator des Caritas Baby Hospital. «Unsere Veranstaltungen schaffen einen verlässlichen Rahmen, in dem Schülerinnen und Schüler offen Fragen stellen können. Darauf geben wir als qualifizierte Fachpersonen verständliche Antworten.»

Die Workshops werden nach Geschlechtern getrennt ausgerichtet. «So können meine Kolleginnen und ich eine viel entspanntere Atmosphäre herstellen», sagt Milad Azar. Das Programm ist direkt in den Unterrichtsplan der Schulen eingebettet und damit verpflichtend für alle Schüler der teilnehmenden Schulen. Jeweils zwei Unterrichtseinheiten von einer Stunde sind hierfür reserviert.

Die Aufklärungsarbeit des Caritas Baby Hospital wird von den Schulen mit offenen Armen aufgenommen. «Gerade bei sensiblen Themen wie Pubertät und Sexualität ist es wertvoll, wenn geschulte Fachpersonen mit den Jugendlichen arbeiten», sagt Tamara, eine Sozialarbeiterin der griechisch-orthodoxen Schule in Beit Sahour bei Bethlehem.

Respekt und Selbstwahrnehmung lernen

Wie sehr aus der Zusammenarbeit des Kinderspitals mit den Schulen der Stadt eine Vertrauensbasis gewachsen ist, zeigt eine Anfrage einer Schule aus Beit Sahour. So wandte sich die Schule vor drei Jahren an das Caritas Baby Hospital, um es für den Einsatz gegen Mobbing zu engagieren. «Die Schulen sind häufig überfordert», beschreibt Milad Azar die aktuelle Situation. «Mobbing findet auch ausserhalb des Schulgeländes statt. Oder im digitalen Raum. Da ist ein externer Ansprechpartner sehr willkommen.»

So entwickelte das Kinderspital das Programm «Health School» für Schülerinnen und Schüler der 10. und 11. Klasse. In insgesamt zwölf Unterrichtseinheiten setzen sich die Jugendlichen mit Themen wie Selbstwahrnehmung, respektvolle Umgangsformen und persönliche Grenzen auseinander. Die Teenager lernen, Konflikte frühzeitig zu erkennen und verantwortungsvoll damit umzugehen.

Botschafter für einen gesunden Alltag

Um das Thema Gesundheit noch stärker im Schulalltag zu verankern, hat das Kinderspital kürzlich eine weitere Zusammenarbeit lanciert. Im «Caritas Baby Hospital Schools Health Ambassadors Programme» treffen sich 50 Schülerinnen und Schüler der sechs teilnehmenden Schulen einmal pro Woche und beschäftigen sich mit Fragen zu Krankheitsprävention, Wohlbefinden von Jugendlichen und ganz allgemein zum Thema gesunder Lebensstil.

Dieses Wissen tragen die jungen Botschafterinnen und Botschafter in die Schulen, indem sie selbstständig Veranstaltungen ausrichten. Dadurch werden die Ratschläge und Gesundheitsempfehlungen, anders als in den früheren Programmen, direkt von Schülern an Schüler kommuniziert.

Gleichzeitig entdecken manche der Teilnehmenden ein besonderes Interesse an einer Tätigkeit im Gesundheitsbereich. «Ich fand es total spannend, einmal den Spitalbetrieb von innen zu sehen. Wo kann ich das sonst tun?», sagt die Schülerin Shada von der Saint-Joseph-Schule in Bethlehem. «Ich kann mir gut vorstellen, nach der Schule einmal Krankenpflege zu studieren.» 

 

 

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