Amal Hawash - Caritas Baby Hospital

Ersatzmutter für hunderte Kinder


Amal Hawash, Mitarbeiterin des Spielzimmers

Blickpunkt Bethlehem, Ausgabe 39, Dezember 2016

Amal Hawash arbeitet im Spielzimmer des Caritas Baby Hospitals.

Das Spielzimmer im Caritas Baby Hospital ist wie eine fünfte medizinische Abteilung. Sie könnte heissen: Intensivstation für die Kinderseele. Aber dort geschieht Heilung nicht durch Medikamente, sondern durch Lachen, durch Reden, durch Spielen, durch Basteln. Eine der beiden behandelnden „Ärztinnen“ ist Amal Hawash. Die kleinen Patientinnen und Patienten lieben die 54-Jährige. Sie ist wie eine Ersatzmutter für hunderte Kinder. Es macht ihr nichts aus, zehn Mal am Tag beim Memory-Spielen besiegt zu werden. Sie sammelt geduldig auf den Boden gekullerte Perlen auf. Sie zerschlägt am Computer virtuelle Melonen, tröstet schreiende Babys oder tanzt mit einem Mädchen im Rollstuhl. Am besten alles gleichzeitig.

Nichts scheint Amal aus der Ruhe zu bringen, sie strahlt Wärme, Gelassenheit und Geborgenheit aus. Das spüren die Kinder – besonders die chronisch kranken Patienten, die nicht selten zwei Wochen und länger im Spital sind. Sie suchen ihre Nähe. Denn diese Kinder geniessen es, dass sie im Spielzimmer ganz im Zentrum stehen. „Ich bin nur für sie da. In ihren Familien daheim kommt das manchmal zu kurz“, weiss Amal aus den vielen Gesprächen mit den Kindern, die sie schon seit Jahren begleitet. „So schön die Arbeit hier ist, sie hat natürlich auch Schattenseiten. Ich muss mit ansehen, wie die Krankheit bei manchen Patienten fortschreitet, wie sich der Zustand mit jedem Jahr verschlechtert.“ Bis zu einem gewissen Grad gelingt es ihr, sich abzugrenzen, aber manche der Kinder sind ihr einfach ans Herz gewachsen. „Das geht mir dann sehr nahe, wenn dieses Mädchen oder jener Junge stirbt“, gesteht die Mutter von vier mittlerweile erwachsenen Kindern.

Kinder und Angehörige geben viel zurück
Ihre eigene, grosse Familie weiss, wie sehr Amal Hawash am Spital hängt, und manchmal machen sich ihre Töchter über sie lustig und sagen, „Deine wahre Familie ist das Caritas Baby Hospital“. Sie ziehen sie damit auf, dass sie sich oft auch abends nach der Arbeit an den Computer setzt und nach neuen Bastelanleitungen und neuen Spielideen sucht – meist nicht für ihre sechs Enkelkinder, sondern für die Kinder aus dem Caritas Baby Hospital. 

Es ist aber nicht nur ein Geben, betont Amal. „Ich erhalte auch viel von den Kindern und ihren Angehörigen.“ Das Vertrauen, das die Mütter und Kinder ihr entgegenbringen, sei wertvoll - genauso wie die offenen Gespräche oder das gemeinsame Lachen und Weinen. Eines habe sie ganz besonders von den kranken Kindern gelernt, die oft mit Schläuchen, Kanülen, Pflastern und Verbänden bei ihr im Spielzimmer sitzen: Dankbarkeit. „Sie lehren mich die Dankbarkeit für das, was man hat. Das ist wichtig,  denn es gibt immer Menschen, denen es noch schlechter geht.“

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