Atallah Araj, Caritas Baby Hospital

Bildung ist das Wichtigste für die Zukunft


Atallah Araj leitet im Caritas Baby Hospital den Bereich Haustechnik und Spitaldienstleistungen.

Blickpunkt Bethlehem, Ausgabe 48, März 2019

Weil Deutschland bekannt ist für seine medizinischen Geräte, studierte Atallah Araj in Lübeck Biomedizinische Technik mit Nebenfach Krankenhausbetriebstechnik.  
„Es war mein Traum, bei Siemens zu arbeiten – es hat sich aber nicht ergeben.“ Doch das Studium bahnte den Weg zum Caritas Baby Hospital, wo er seit 14 Jahren arbeitet. Der 50-Jährige ist Mitglied der Geschäftsleitung und Bereichsleiter Haustechnik und Spitaldienstleistungen. Zu seinem Verantwortungsbereich gehören die hochkomplexe Technik genauso wie Spitalwäscherei,  Küche oder Sicherheitsdienst. „Ich stelle mir vor, welches Krankenhaus ich vorfinden wollte, wenn eines meiner Kinder medizinische Hilfe bräuchte. Das motiviert mich zu Höchstleistungen.“ 

Die Familie spielt für Atallah Araj eine besondere Rolle. Die vier Kinder sind zwischen 10 und 18 Jahre, die Grösste studiert in Budapest. „Sie ist dort richtig aufgeblüht.“ Ihm und seiner Frau Manal ist es wichtig, dass die Kinder eine gute Ausbildung erhalten, denn das ist „das Wichtigste für die Zukunft“. 

Bethlehem verändert sich
Die Zukunft seiner Kinder sorgt ihn, weil er erlebt, wie sich das Leben in der Region verändert. „Als ich noch klein war, fuhren unsere Eltern mit uns nach Gaza, um im Meer zu schwimmen. Diese Ausflüge waren das Grösste!“ Heute ist das nicht mehr möglich. Sein Vater konnte ohne Probleme mit dem Auto in den Libanon, in den Irak, nach Syrien fahren. „Und unsere Kinder, die kommen heute nicht mal nach Jerusalem, ohne über einen Checkpoint zu müssen. Ihre Grenzen liegen rund um Bethlehem.“ Auch die Gesellschaft in Bethlehem sei konservativer geworden. Seine älteste Schwester besuchte mit Freundinnen Fussballspiele, ohne Aufsehen zu erregen oder kaufte sich im Bade-Dress ein Eis in der Altstadt von Bethlehem. „Heute kann sich das niemand mehr vorstellen.“

Verantwortung übernehmen
Schon mehrfach hat Atallah Araj überlegt, das Land zu verlassen. Noch bevor die Kinder geboren waren, wollten er und seine Frau nach Australien auswandern. „Dass wir uns dagegen entschieden haben, halten uns die Kinder heute noch vor“, sagt Araj halb lachend, halb betroffen. Seine Eltern überzeugten ihn noch, hier zu bleiben, in der Heimat und für Familie und Gemeinschaft Verantwortung zu übernehmen. Aber heute? Was ist das Beste für die Kinder? Wenn ihn solche Fragen quälen, zieht sich Atallah Araj in seinen Olivenhain zurück. Dort kommen er und seine Frau zur Ruhe. Die Kinder entfliehen lieber in die Sozialen Medien und die virtuelle Realität. 

Was all das Gesagte denn für die Zukunft seiner Familie bedeute? „Solange wir hier überleben können, bleiben wir hier“, betont er. Und er hätte auch schon eine Vision für den Ruhestand: „Bürgermeister von Beit Jala. Dieser Posten im Nachbarort von Bethlehem reizt mich. Aber bis dahin ist noch viel Zeit.“

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