Sybille Oetliker - Kinderhilfe Bethlehem

Sybille Oetliker: Ein Leben für Bethlehem


Erschienen in: Cosmopolitan // Ausgabe Dez. 2018

Es war so etwas, wie die Erfüllung eines Jugendtraumes für Sybille Oetliker, als sie die Geschäftsleitung der Kinderhilfe Bethlehem übernahm. Die Non-Profit-Organisation mit Sitz in Luzern betreibt in Bethlehem ein Kinderspital - das einzige im Westjordanland. Vor mehr als 60 Jahren von einem Schweizer gegründet, steht das Caritas Baby Hospital heute unter lokaler Leitung. Wegen der schwierigen Situation vor Ort braucht es aber noch finanzielle Unterstützung aus der Schweiz. 

Der Nahe Osten begleitet die 59-jährige schon lange. «Die Gegend hat mich immer fasziniert. Als Studentin reiste ich nach Syrien, Tunesien, Marokko, Ägypten, Israel, Palästina, Yemen. Ich liebte es, dort Menschen zu treffen; ich mag arabisches Essen, die Literatur und die Sprache». 

Nach dem Studium zog es die Bernerin zunächst für zwei Jahre nach Südamerika. «Ich wollte noch eine andere Weltgegend kennenlernen und fand dort zum Journalismus». Zurück in der Schweiz berichtete sie über das politische Geschehen in der Schweiz. Ab 2004 lebte Sybille Oetliker fünf Jahre lang als Korrespondentin in Jerusalem. «Eine unglaublich interessante und intensive Zeit! Die Arbeit öffnete mir viele Türen in Israel und Palästina und ich konnte Einblick gewinnen in den Alltag der Menschen. Besonders beeindruckt haben mich die vielen mutigen Palästinenserinnen, die unermüdlich für ihre Rechte kämpfen. Und ich habe dort begriffen, was für ein Privileg es ist, in einem demokratischen Staat wie der Schweiz zu leben und Rechte als Bürgerin zu haben». Beides ist im besetzten palästinensischen Gebiet blosser Wunschtraum. 

In ihrem Job kann Sybille Oetliker viel, was ihr wichtig ist, verwirklichen: Kindern und ihren Familien medizinische Hilfe bieten, sie in ihrer Würde schützen und das Gesundheitswesen stärken. Gemeinsam mit dem lokalen Team wird das Angebot des Caritas Baby Hospital stetig entwickelt. Und eines Tages, so hofft Oetliker, «ist das Spital nicht mehr auf unsere Hilfe angewiesen und finanziert sich aus lokalen Quellen genauso wie ein Spital in der Schweiz. Dann stossen wir alle mit einer Flasche Arak an»!

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