Bardill - Kinderhilfe Bethlehem

Bunte Lieder für Bethlehems Kinder


Von Andrea Krogmann // Erschienen in: Schweiz. Kirchenzeitung

Ein Lied am Bett eines kranken Kindes kann die Atmosphäre drehen, sagt Li­nard Bardill. Rund 40 Mal im Jahr singt der Bündner in Schweizer Kinderspi­tälern für die kleinen Patienten und ihre Eltern. Am 3. Mai sang Bardill für die Kinder im Caritas Baby Hospital in Bethlehem. Nach einem Benefiz-Kon­zert im Luzerner Verkehrshaus ist der Besuch vor Ort seine zweite Solidari­tätsaktion für die Kinder von Bethle­hem. Was im Caritas Baby Hospital ge­leistet wird, findet der Liedermacher eindrücklich: «Kinder ernstzunehmen, wie dies hier geschieht, ist wichtig, denn sie sind unsere Zukunft!» 

Linard Bardill erzählt von einem fremden Land mit vielen Bergen. Latife übersetzt. Dann singt er. Von Fröschen und von Gän­sen. Von der Sonne und von der Zeit. Es sind ruhige Töne, dann wieder freche, wie das Piratenlied für die beiden grösseren Patienten im Schulalter. «Das Alter der Pa­tienten kann zwischen ein paar Wochen und 18 Jahren liegen - da kann man sich nicht drauf vorbereiten! Ich spüre jeweils, wie die Stimmung ist und was passt!» Für Bailasan auf Station A passt das lustige Lied über Schmetterlinge. «Bei traurigen Liedern fängt sie an zu weinen», sagt die Mutter. Die Präsenz der Mütter ist es, die den Sänger am stärksten beeindruckt: «Mütter im Allgemeinen geben ihren Kin­dern Kraft. Aber die Mütter hier sind un­endlich stark!» 

Der Fokus auf die Mütter ist eine der Grundlinien des Caritas Baby Hospital. Dank Prävention und Gesundheitserzie­hung sollen vermeidbare Erkrankungen gar nicht erst entstehen. Von 900 000 Menschen im Gebiet zwischen Bethlehem und Hebron - dem Haupteinzugsgebiet des Babyspitals - sind 370 000 unter 14 Jahre alt. 38 000 von ihnen wurden im letzten Jahr in Bethlehem behandelt. Sein Engagement für die Einrichtung, ist Bardill überzeugt, ist eine gute Investition. 

Sohn mit Downsyndrom 
Dem kleinen Qussai auf Station B kann das Engagement des Schweizers mit sei­ner Gitarre nicht lange genug dauern. «Jetzt ein Lied für mich», fordert er selbst­bewusst und rutscht ganz nah an die Gi­tarre. Mit jedem Zimmer wächst die Inter­aktion zwischen dem Musiker und seinem Publikum, nur die kleine Miran hat keine Lust auf Musik. «Es ist freiwillig, das ist okay», sagt Linard Badrill. Wenn Linard Bardill nicht singt, stellt er Fragen. Hört den Müttern und den weni­gen anwesenden Vätern zu. Spricht ihnen Mut zu und erzählt seine eigene Geschich­te. Sein elfjähriger Sohn ist mit Downsyn­drom zur Welt gekommen. «Er hat mein Leben umgekehrt», erzählt Bardill den Eltern. «Für mich ist er nicht behindert, sondern speziell begabt. Er kann Herzen öffnen. Und er definiert die Zeit neu!» Für den Schweizer ist klar: «Wir bekommen die Kinder, die wir brauchen, das ist so in der Schöpfung. Kein Kind ist zu viel oder falsch.» Die Mütter nicken zustimmend. 

«Nicht anders als in der Schweiz» 
Seit 35 Jahren ist Linard Bardill mit seinen Liedern unterwegs, in den letzten zwanzig Jahren sind zum Erwachsenenrepertoire Kinderlieder hinzugekommen. Für Kinder im Spital zu singen, habe ihm neue Räume eröffnet, sagt er. «Ob ich für 1000 Leute singe oder für ein Kind und seine Mutter: Es bleibt das gleiche Lied, genauso be­deutsam!» Den Zuhörern fällt es schwer, den Schweizer ziehen zu lassen. «Ich lie­be die Musik, sie ist so beruhigend!», sagt eine der Mütter. Linard Bardill ist zufrieden. «Die Kinder hier sind nicht anders als in der Schweiz: Sie reagieren auf die Musik. Wenn es ih­nen zu viel wird, wenden sie sich ab, gefällt es ihnen, kommen sie näher. Und manch­mal fangen sie an zu tanzen. «Wie Baby Mohammed, der den Schweizer anstrahlt und lacht. «Das ist sehr beglückend.» Am Abend wird er bei einem Gartenkonzert in der Casa Nova an Bethlehems Krippen­platz sein erwachsenes Publikum beim Froschlied zum Mitsingen animieren: «Ein bisschen Kind müsst Ihr schon sein, sonst gibt es kein Glück.»

 

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