Hedwig Vetter: eine fast vergessene Pionierin

Hedwig Vetter: eine fast vergessene Pionierin


Bei der Gründung des Caritas Baby Hospital spielte Hedwig Vetter eine entscheidende Rolle. Die Kinderhilfe Bethlehem ehrt die fast vergessene Pionierin 25 Jahre nach ihrem Tod mit einer Festschrift.

Im März 1949 reiste Hedwig Vetter im Auftrag der Caritas Schweiz in den Nahen Osten. Die 24-Jährige aus Flühli/LU mit kaufmännischer Ausbildung soll sich ein Bild der Situation im Libanon, in Syrien und in Palästina machen und die Caritas-Hilfe vor Ort aufbauen.

Was Hedwig Vetter in Palästina sah, hat sie tief betroffen: Armut und Not waren weit verbreitet; tausende palästinensische Familien hatten nach dem Krieg von 1948 ihr Zuhause verloren und lebten in Lagern «auf nacktem Boden unter Zelten und in feuchten Höhlen, ohne Decke, ohne Wäsche, ohne hygienische Artikel, im grössten Schmutz und dazu noch hungernd», wie Vetter in die Schweiz meldete.

Caritas Outpatient Clinic 1950 eröffnet 
Besonders prekär war die Situation für Mütter und Kinder. Als Hedwig Vetter in Bethlehem den palästinensischen Arzt Antoine Dabdoub kennenlernte, beschlossen die beiden 1950, einen Raum zu mieten und Müttern mit kranken Kindern medizinische Beratung anzubieten. Sie nannten den Ort ‚Caritas Outpatient Clinic‘.

Dass sich daraus später das Caritas Baby Hospital entwickeln sollte, konnten sie nicht wissen. Als der Walliser Pater Ernst Schnydrig 1952 Palästina besuchte, war er beeindruckt von der Aufbauarbeit von Hedwig Vetter. Fortan setzte er sich in Europa für die Unterstützung und den Ausbau des Projektes in Bethlehem ein. Wenige Jahre später gründete er den Verein Kinderhilfe Bethlehem, um die Finanzierung des Spitals sicherzustellen. Bis 1966 leitete Hedwig Vetter die Tätigkeit des Vereins in Bethlehem und sorgte dafür, dass das Angebot laufend ausgebaut wurde. 1966 standen bereits 54 Bettchen für kranke Kinder zur Verfügung. Dann kam es zum Bruch. Hedwig Vetter kündigte und widmete sich zunächst anderen Aufgaben in Bethlehem. 1974 kehrte sie in die Schweiz zurück, wo sie 1995 starb.

Anerkennung für grosse Leistung 
Wurde das Wirken von Hedwig Vetter von der Kinderhilfe Bethlehem anfänglich gebührend gewürdigt, verschwand ihr Name Anfang der 1980er Jahre aus dem 
Vereinsnarrativ. In einer Festschrift bringt der Verein nun Licht in das Wirken von Hedwig Vetter und würdigt die Arbeit einer Frau, die Grosses für die Kinder und Mütter in Palästina geleistet hat.

Die Festschrift kann zum Preis von 25 Franken bei der Geschäftsstelle der Kinderhilfe Bethlehem bezogen werden.

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