Ein Kuss mit Folgen

Ein Kuss mit Folgen


Rana erholt sich derzeit im Caritas Baby Hospital von einer lebensbedrohlichen Gehirnentzündung. Ein Zeichen der Zuneigung ihrer Tante hatte zu einem Kampf ums Überleben geführt.

Eine Ansteckung mit dem Herpes-simplex-Virus Typ 1 verläuft bei Erwachsenen generell mild. Bei Kleinkindern hingegen kann das Virus, welches oft durch Küsse übertragen wird, zu lebensbedrohlichen Infektionen führen – wie im Falle der 15 Monate alten Rana Abu Allan aus Al-Thahariyeh, südlich von Hebron.

Als Nagham (25) ihre kleine Tochter Rana ins Caritas Baby Hospital brachte, sahen die Ärzte sich zunächst vor ein Rätsel gestellt: Das Mädchen litt an hohem Fieber, war aussergewöhnlich schläfrig und übergab sich wiederholt. Die Ergebnisse ihrer Bluttests fielen unauffällig aus. Eine Lumbalpunktion, bei welcher Rückenmarkflüssigkeit zu Diagnosezwecken entnommen wird, sollte Klarheit schaffen. Das Diagnoseverfahren erlaubt das Feststellen einer Entzündung des Gehirns (HSV-Enzephalitis), welches von derselben Flüssigkeit umgeben ist. Das Caritas Baby Hospital ist eine der wenigen medizinischen Einrichtungen in Palästina, welches diese spezielle Untersuchung durchführen kann.

Noch bevor die Ergebnisse vorlagen, ordnete der behandelnde Arzt, Dr. Issa Abed-Rabbo, eine spezifische Therapie bei Verdacht auf HSV-Enzephalitis an. Das schnelle Handeln des Arztes hat dem Mädchen das Leben gerettet und eine Zukunft ohne neurologische Beeinträchtigungen ermöglicht. „Gehirnentzündungen beschädigen Hirnzellen extrem schnell. Normalerweise sterben die Kinder an HSV-Enzephalitis oder sie verlassen das Krankenhaus mit einer geistigen Behinderung“, berichtet der Arzt.

Rana hatte grosses Glück: Nach zwei Tagen stabilisierte sich ihr Zustand. Zudem ist Dr. Abed-Rabbo zuversichtlich, dass ihr Gehirn sich wieder erholen wird. Ranas Mutter, Nagham, ist erleichtert: „Ein simpler Kuss ihrer Tante hätte zum Verhängnis für meine Tochter werden können. Dank dem schnellen Handeln im Caritas Baby Hospital ist sie nun auf dem Weg zur Heilung.“ Bis zum Abschluss der Therapie Anfang Juli bleibt das Mädchen noch zur Überwachung im Spital.

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