Corona: Anpassung an eine neue Normalität

Corona: Anpassung an eine neue Normalität


Die zweite Corona-Welle hat Palästina früher und schwerer getroffen als viele Länder in Europa. Das Krankenhaus und die lokale Bevölkerung lernen, mit der neuen Realität umzugehen.

(Bethlehem, 13. August 2020) Nach dem Abflachen der ersten Covid-19-Welle Ende April blieb der palästinensischen Bevölkerung nur wenig Zeit aufzuatmen. Denn bereits am 18. Juni informierte die palästinensische Gesundheitsministerin Mai al-Kaila über einen erneuten Anstieg der Fälle. Die zweite Welle traf nicht nur früher ein als erwartet, sondern auch mit einer überraschenden Heftigkeit: Derzeit werden pro Tag durchschnittlich 400 bis 500 Neuinfektionen verzeichnet. Aussicht auf eine Entschärfung der Situation besteht zu diesem Zeitpunkt noch nicht.

Bis Mitte August haben sich über 20'000 Palästinenserinnen und Palästinenser mit dem Virus angesteckt. Die höchste Anzahl von Neuinfektionen wird derzeit in Hebron, im südlichen Westjordanland, verzeichnet – dicht gefolgt von Ostjerusalem. Damit wurde der Bethlehem-Distrikt als Epizentrum der Pandemie abgelöst. Im Gazastreifen gibt es hingegen kaum Neuinfektionen.

«Die letzten Tage waren für das Laborpersonal ein enormer Stress. Wir führen momentan täglich 300 bis 400 Coronavirus-Diagnosetests durch», berichtet Dr. Mousa Hindiyeh. Er ist der Leiter des Labors im Caritas Baby Hospital und trägt auch im separat liegenden Covid-Labor die Verantwortung für das Testverfahren. Das Test-Labor wird vom palästinensischen Gesundheitsministerium geführt – das Caritas Baby Hospital stellt seine Expertise, ein Teil des Personals und der Geräte sowie die Räumlichkeiten zur Verfügung. Bis Mitte August hat das Labor bereits beinahe 25'000 Tests durchgeführt, mehrheitlich für den Bethlehem-Distrikt. Es war massgeblich an der erfolgreichen Bekämpfung der ersten Infektionswelle beteiligt.

Darüber hinaus hat das Spital einmal mehr einen aussergewöhnlich hohen Standard im Bereich der Infektionsprävention und -kontrolle bewiesen: Dank strikter Infektionspräventionsprotokolle und Kontrollen konnten die – bis anhin glücklicherweise wenigen – infizierten Personen im Krankenhauskomplex jeweils zeitgerecht isoliert und die Aufrechterhaltung der medizinischen Versorgung garantiert werden.

Doch die Pandemie stellt nicht nur in gesundheitlicher Hinsicht eine Herausforderung dar: Viele Palästinenserinnen und Palästinenser haben ihre Einkommensquelle verloren, da Bethlehem vom nun ausbleibenden Tourismus lebt. Die Sozialdienstabteilung des Kinderkrankenhauses unterstützt entsprechend eine wachsende Anzahl von Familien in finanzieller, aber auch in psychologischer Hinsicht: Denn die Sorge in der Bevölkerung nimmt zusammen mit den steigenden Fallzahlen zu. (lbe)

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