Blickpunkt Bethlehem, Nr. 56 - «Das hätte niemand zu hoffen gewagt»

Blickpunkt Bethlehem, Nr. 56 - «Das hätte niemand zu hoffen gewagt»


Bei ihrer Geburt wog Talia 750 Gramm. Ihre Überlebenschancen standen schlecht.

Talia kam viel zu früh auf die Welt und wog gerade mal 750 Gramm. Nur das Caritas Baby Hospital traute sich die Behandlung zu und gab Talia die Chance, sich ins Leben zu kämpfen. Und sie hat gewonnen.

Niemand hätte zu hoffen gewagt, dass Talia ein Mädchen wird, das spricht, das rennt, das neugierig die Umgebung erkundet, schlicht, das gesund und munter ist. Als sie – vier Monate vor dem errechneten Termin – geboren wurde, war sie winzig, zerbrechlich, blau angelaufen. Kein Spital in Bethlehem wollte sie in diesem Zustand aufnehmen, 
nur das Caritas Baby Hospital.

Erstmals ein so kleines Baby aufgenommen
Chefärztin Dr. Hiyam Marzouqa erinnert sich: «Noch nie hatten wir einen Säugling mit so geringem Geburtsgewicht zur Behandlung aufgenommen, obwohl wir grosse Erfahrung mit Frühgeborenen haben. Aber Talia zeigte vom ersten Tag an einen starken Überlebenswillen.» Lange wurde sie im Spital versorgt, über Wochen lag sie auf der Intensivstation. Nach drei Monaten konnten die überglücklichen Eltern Amal und Ahmed ihre Tochter endlich mit nach Hause nehmen.

Das ist jetzt über drei Jahre her. Talia entwickelt sich prächtig. Sie ist geistig und körperlich auf dem Niveau gleichaltriger Kinder. Vom Wesen her ist sie ein ruhiges, besonnenes Mädchen. Sie liebt es, sich schön zu kleiden und singt gerne. Es scheint kein Zufall zu sein, dass ihr Lieblingslied von einem kleinen Haifisch und seiner Familie handelt. Starke Wesen, die zusammenhalten, so wie Talias Familie, als das Leben des kleinen Mädchens am seidenen Faden hing.

Durchsetzungswille ist Teil ihres Charakters 
Inzwischen hat Talia eine kleine Schwester, die Layan heisst und zwei Jahre alt ist. Talia macht ihrer Aufgabe als grosse Schwester alle Ehre und weiss sich auch da durchzusetzen. Das scheint in ihrem Charakter zu liegen.

Chefärztin Dr. Marzouqa ist beeindruckt, wie sich Talia entwickelt hat. «Dass es dem Mädchen heute so gut geht, hätte niemand zu hoffen gewagt.» Gerade in den ersten beiden Jahren sind Talias Eltern noch häufig mit der Kleinen zu medizinischen Kontrollen ins Spital gekommen. Doch bei jeder Untersuchung konnten die Ärztinnen und Ärzte die Eltern beruhigen: Talia ist gesund und entwickelt sich prächtig.

In den Monaten mit den strengen Corona-Schutzmassnahmen hat die Familie vorsichtshalber Veranstaltungen mit vielen Personen gemieden. Sie sind auch nicht ins Caritas Baby Hospital gekommen. Dazu gab Talia keinen Anlass. Sie strotzt vor Energie und niemand merkt ihr an, wie schwierig die Zeit nach ihrer Geburt war.

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