Wie war Ihr Start im Caritas Baby Hospital?
Das gesamte Team hat mich mit offenen Armen empfangen, und ich freue mich auf meine neuen Aufgaben. Mein Vorgänger, Ernst Langensand, hat die Übergabe gut vorbereitet. Da er das An- und Umbauprojekt bis zum Abschluss leiten wird, kann ich ihn jederzeit auf einfache Weise ansprechen.
Sie sind der erste einheimische Direktor. Hat dies eine besondere Bedeutung für Sie?
Ich glaube, es ist von grosser Bedeutung für die Kinderhilfe Bethlehem. Mit einem einheimischen Direktor hat das Werk nochmals ein wichtiges Zeichen für die Menschen in der Region gesetzt: Das Caritas Baby Hospital ist das Spital der Menschen in Palästina! Die hiesige Gesellschaft ist leider noch nicht in der Lage, solche medizinischen und sozialen Angebote aus eigenen finanziellen Mitteln aufzubauen. Das entlässt uns Palästinenser aber nicht aus der Verantwortung, für die Entwicklung des Hospitals mitverantwortlich zu sein.
Was sind die grossen Herausforderungen, vor denen die Kinderhilfe Bethlehem steht?
Die Lebensbedingungen in Bethlehem und in ganz Palästina werden immer schlechter. Immer mehr Menschen resignieren. In Israel geht es den Menschen zwar besser, doch auch dort schwindet die Hoffnung auf eine absehbare Lösung des Konflikts. Der Nahe Osten braucht wieder politische Akteure, die mutige Entscheidungen treffen, um die Lage zu stabilisieren und Lösungen für eine gerechte Zukunft zu finden. Ich hoffe, dass zukunftsweisende Impulse, wie Papst Benedikt sie bei seinem Besuch im Caritas Baby Hospital gegeben hat, auch Politiker erreichen. Aber selbst wenn sich die Situation heute wenden sollte: Vor den Palästinensern liegen noch einige schwierige Jahre. Eine schnelle Verbesserung der Lebensumstände kann es wohl nicht geben.
Was wünschen Sie sich von Europa?
Ich wünsche mir, dass die Menschen in Europa ihr offenes Ohr für die Familien in Bethlehem behalten. Dass sie weiter Anteil nehmen am Schicksal der Kinder und Mütter am Geburtsort Jesu. Nur dank der weltweiten finanziellen Hilfe können wir die Arbeit fortführen. Ich wünsche mir aber auch, dass Politiker offen werden für neue Positionen, um die Kräfte des Ausgleichs zu fördern. Die Menschen Palästinas brauchen wieder eine Vorstellung von einer lebenswerten Zukunft. Sie möchten endlich wieder nach vorne schauen. Genauso wie Israelis, wie Europäer – wie alle Menschen.
Vielen Dank für das Gespräch und viel Erfolg bei Ihrer Arbeit.