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Hausarzt und Lebensretter

7.30 Uhr am Morgen. Noch ist es ruhig auf dem langen Flur der neuen ambulanten Klink. Fadi Rishmawi beginnt seinen Dienst an der grossen Theke mitten im Eingangsbereich des Caritas Baby Hospitals. Auf den Rezeptionisten wartet ein anstrengender Tag, denn der neue Empfang ist der zentrale Anlaufpunkt für Mütter mit ihren kranken Kindern. Die ersten Frauen sitzen schon im Wartebereich. Bald beginnt die ambulante Sprechstunde.

Für viele ist die ambulante Klinik die einzige Chance, dass ein Facharzt ihr Kind untersucht. Das trifft auch auf Zada zu. Sie kommt aus Bethlehem. Den Besuch bei einem privaten Kinderarzt kann sich die Familie nicht leisten. Zadas Ehemann hat zwar Arbeit in einer Steinfabrik, doch der Lohn ist bescheiden und es ist nie sicher, ob er sein Geld am Monatsende auch wirklich erhält. Zada macht sich Sorgen um ihre Tochter Samira. Das Atmen fällt ihr schwer und sie ist sehr erschöpft. Müde klammert sich die Dreijährige um den Hals ihrer Mutter. Nach kurzem Warten können Mutter und Kind ins Sprechzimmer von Dr. Bishara Nasrallah.

Einzige Chance auf einen Kinderarzt

Der Leiter der ambulanten Klinik ist ein erfahrener Kinderarzt. Schnell erkennt er, dass Samira nichts Ernstes fehlt. Sie hat eine Erkältung, wie sie in den Wintermonaten häufig auftritt. Dr. Nasrallah spricht mit der Mutter, fragt nach den Wohnverhältnissen und rät ihr, Samira vor allem nachts wärmer zu halten. Die Familie schläft mit Matratzen auf dem Boden des Wohnzimmers, und das Haus bietet keinen ausreichenden Schutz vor dem oft nasskalten Wetter. Dr. Nasrallah gibt Zada einige Medikamente mit. In drei Tagen möchte er Samira noch einmal sehen. Sein Pieper beendet das Gespräch mit der Mutter abrupt. Fadi vom Empfang meldet ihm einen Notfall. Sofort geht Dr. Nasrallah nach vorne. Der vier Monate alte Khalil wirkt völlig apathisch, seine Haut ist bläulich. «Wir müssen ihn sofort stabilisieren, ich fürchte er ist stark unterkühlt», sagt der Oberarzt. Im Behandlungszimmer bestätigt sich sein Verdacht. Er misst die Körpertemperatur: 30 Grad. 37 Grad sollten es sein. In der Zwischenzeit ist auch Chefärztin Dr. Marzouqa gekommen.

«Es ist ein kritischer Moment. Sinkt die Temperatur weiter, ist Khalil in akuter Lebensgefahr. Jetzt geht es um jede Minute», erklärt sie. Eine Mitarbeiterin des Labors, das jetzt direkt an die ambulante Klinik grenzt, nimmt eine Blutprobe, bevor Khalil auf die Station gebracht wird. Im Inkubator soll seine Kernkörpertemperatur langsam wieder steigen. «Solch starke Unterkühlungen kommen zum Glück nicht häufig vor, aber es passiert immer wieder», sagt Dr. Marzouqa. Trotz Khalil ernstem Zustand ist sie zuversichtlich. Kommen keine weiteren Komplikationen hinzu, sollte Khalil langsam wieder zu Kräften kommen. Doch es wird einige Wochen dauern. Zeit, in der eine Sozialarbeiterin mit Khalil Familie abklärt, wie es zu der Unterkühlung kommen konnte und wie die Eltern die Gesundheit ihres Sohnes zukünftig besser schützen können.

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Kinderhilfe Bethlehem, info@khb-mail.ch, Tel. +41 41 429 00 00, Spendenkonten

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