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Für ein Leben in Würde

Durchschnittlich bleibt jedes Kind 4,5 Tage im Caritas Baby Hospital. Was diese Zahl nicht sagt: Einige Kinder sind als Patienten wesentlich länger auf den Stationen, und es dauert meist nicht lange, bis sie nach ihrer Entlassung wiederkommen. Für Ärzte und Pflegerinnen sind die chronischen Fälle eine besondere Belastung, denn oftmals gibt es kaum Hoffnung auf Besserung. Dina ist ein solcher Fall. Die heute 17-Jährige aus Beit Jala bei Bethlehem kommt regelmässig ins Caritas Baby Hospital. Als Kleinkind hatte sie eine starke Hirnblutung und wurde ins Bethlehemer Regierungsspital gebracht. Ihr Leben hing am seidenen Faden. Als die Ärzte den Ernst der Lage erkannten, dauerte es trotzdem noch fünf Stunden, bis das Mädchen endlich im israelischen Hadassah Hospital operiert werden konnte. Dina überlebte den schwierigen Eingriff, doch seit dieser Zeit ist sie körperlich und geistig behindert. Seit sie fünf Jahre alt ist, kommt sie regelmässig ins Caritas Baby Hospital.

Hilfe aus Österreich

Besonders Krampfanfälle machen Dina zu schaffen. Die Ärzte unternehmen alles, um diese Attacken in den Griff zu bekommen. Die hierfür nötigen Medikamente sind aber selbst in Israel kaum zu erhalten. Darum hat sich eine engagierte Apothekerin aus Österreich dieser speziellen Situation angenommen. Dank ihrer Hilfe erhält Dina regelmässig die für sie so wichtigen Medikamente, die sich ihre Familie niemals leisten könnte. Den Erfolg sehen die Ärzte im Caritas Baby Hospital bei ihren regelmässigen Untersuchungen. Dinas Anfälle, die ihr Gehirn immer weiter schädigen, haben abgenommen. Die Eltern sind dankbar für all die Hilfe, die ihre Tochter erhält. Anders als viele Eltern in Palästina, die ihre behinderten Kinder als Schande empfinden und verstecken, gehen sie offen mit Dinas Behinderung um und tun alles, um ihre Tochter im häuslichen Alltag zu integrieren. Die Kinderhilfe Bethlehem unterstützt sie dabei.

Körperliche Leiden lindern

Medikamente können aber nicht allen chronisch kranken Patienten so gut helfen. Darum setzt die Kinderhilfe Bethlehem bei körperlichen Behinderungen besonders auf die Behandlung durch die Physiotherapeutinnen. Sie arbeiten mit den Kindern und Müttern, damit ihre Patienten eine grösstmögliche Mobilität und damit Eigenständigkeit erreichen. Der vierjährige Munir kommt schon seit einiger Zeit für solche Behandlungen ins Caritas Baby Hospital. Ziel der Physiotherapeutin Amal ist es, die Sinne des körperlich behinderten Jungen zu schärfen. Einfache Tast- und Greifübungen sollen ihm helfen, seine Umwelt besser zu «be-greifen» und ihn zu mehr Bewegung zu motivieren. Amal bindet Munirs Mutter intensiv mit ein. «Sie muss die Übungen auch zu Hause täglich ausführen, um einen wirklichen Er- folg zu erzielen. Darum verwenden wir Material wie Kichererbsen, die es in jedem Haushalt gibt», erklärt die Physiotherapeutin. Munirs Eltern sind Cousine und Cousin. «In unserer Gesellschaft sind Verwandtenehen toleriert», erklärt Chefärztin Dr. Hiyam Marzouqa. Noch immer schliessen Eheleute die Augen vor möglichen Folgen. Die Leidtragenden sind die Kinder. Sie haben ein erhöhtes Risiko für Missbildungen und Behinderungen. «Wir klären die Mütter und Familien kontinuierlich über die möglichen Folgen auf und ermutigen sie, sich gegen die Tradition zu stellen», sagt Dr. Marzouqa, die zusammen mit ihren Ärzten unermüdlich für das Wohl der Kinder arbeitet.

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Kinderhilfe Bethlehem, info@khb-mail.ch, Tel. +41 41 429 00 00, Spendenkonten