«Überzeugt von der Kraft der Vernunft und der Notwendigkeit, Vorurteile zu überwinden, habe ich versucht, den angeblich so komplizierten Orient zu verstehen und dieses Verständnis zu vermitteln. Ich tat dies mit Leidenschaft, denn ich trage den Nahen Osten im Herzen, weil ich dort geboren und aufgewachsen bin. Ich werde also versuchen, Dir, meine Tochter, das alles zu erklären.» Soweit Alain Gresh, der 1948 in Kairo als Sohn einer russisch-jüdischen Mutter und eines ägyptisch-koptischen Vaters geboren wurde, in der «Vorrede – Brief an meine Tochter».
Der Autor war 1995 Chefredakteur von «Le Monde diplomatique», sass im Verwaltungsrat des Institut du Monde Arabe und war Präsident der Association des journalistes spécialisés sur le Maghreb et le Moyen-Orient. Er lebt in Paris und schrieb mehrere Bücher und Artikel zu diesen Themengebieten.
Greshs biografische Angaben erklären den Unterschied zwischen seinem Werk und solchen wie z.B. die «Kleine Geschichte des israelisch-palästinensischen Konfliktes». Gresh schreibt eher eine Ideen-Geschichte, weniger eine Kriegs-Geschichte, bezieht sich zusätzlich zu den Standardwerken vornehmlich auf die französische Literatur und referiert auch die in den dortigen Medien durchgeführten Auseinandersetzungen. Faktenkundig und analysierend, wie das Buch insgesamt ist, bringt es da und dort Neues und Unbekanntes in den öffentlichen Diskurs.
Es schliesst mit einer Chronologie, die 1914 beginnt und mit dem 10. Februar 2009, der Wahl Benjamin Netanjahus endet.
Hanspeter Stalder
Alain Gresh: Israel – Palästina. Hintergründe eines Konflikts. Unionsverlag, Zürich 2009, 217 Seiten