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Aus einem Interview mit der Regisseurin Keren Yedaya

Wie kam es zu diesem Film?
Ich habe angefangen, über «Jaffa» nachzudenken, nachdem ich das Drehbuch zu «Mon trésor» geschrieben hatte. Ich wollte einen politischen Film über Israel und Palästina machen. Aber ich wollte ein grösseres Publikum ansprechen als es das «politische Kino» normalerweise vermag. Ich war ernsthaft davon überzeugt, dass man ein subversives Kunstwerk schaffen könne, ohne dabei auf ein breites Publikum verzichten zu müssen. Mein Interesse für das ägyptische Kino, das meine Jugend begleitet hatte, wurde auf natürliche Weise geweckt. Als ich klein war, zeigte das israelische Fernsehen jeden Freitag ägyptische Filme. Sie wurden zu einer wunderbaren Inspirationsquelle für mich, sowohl in politischer als auch in ästhetischer Hinsicht.

Wieder sind Ihre Figuren in einem bescheidenen Milieu angesiedelt.
Stimmt. Bisher wollte ich immer von Menschen erzählen, die um ihre menschlichen Grundbedürfnisse kämpfen müssen.

Die einzelnen Familienmitglieder haben grosse Verständigungsschwierigkeiten untereinander.
Absolut. Ich glaube, darin liegt unsere Tragödie begründet: Wir achten nicht auf den Standpunkt des anderen. In meinem Film sehen die Menschen einander nicht, sie reden nicht miteinander und sie hören sich nicht zu. Nach aussen hin scheint es eine ganz normale Familie zu sein. In Wirklichkeit ist sie ziemlich gestört.

Erzählen Sie mir von Vater und Sohn.
Da fällt mir eine kleine Geschichte ein: Während des Drehs wurde Moni Moshonov, der den jüdischen Vater spielt, plötzlich klar, was für eine Figur er da verkörpert. Er sagte: «Jetzt verstehe ich: Ich bin die Stimme, die man nie vernimmt. Ich bin der nette Kerl, der kein Rassist ist und ein guter Familienvater usw. Aber in Wirklichkeit bin ich genau so schuldig wie alle anderen.» Da dachte ich, dass der rassistische und gewalttätige Sohn, der so unglücklich ist, nicht schlimmer ist als sein Vater. In Wirklichkeit steht er nur offen zu dem Rassismus und der Gewalt, die auch alle anderen Figuren auszeichnet, mit Ausnahme von Mali.

Warum haben Sie den Film in «Jaffa» angesiedelt?
Ich fand es interessanter, die Geschichte in Israel anzusiedeln, statt in den sogenannten «besetzten Gebieten», Gazastreifen, Jenin usw. Dort ist der Unabhängigkeitskampf der Palästinenser viel klarer als mitten in Israel, wo der Kampf viel komplexer ist und dem Rest der Welt weit weniger bekannt. Die in Israel lebenden Palästinenser, die man «arabische Israelis» nennt, sind offiziell israelische Bürger, die aber immer noch gewisser Rechte beraubt werden. Ich habe in Jaffa gedreht, um zu zeigen, dass man den Konflikt zwischen Israel und Palästina nicht regeln kann, indem man eine Mauer errichtet.

Das Thema Abtreibung in dem Film steht für die Widersprüche in der israelischen Gesellschaft.
Genau. Ich wollte zeigen, dass man offen über Abtreibung reden kann, da Israel grundsätzlich eine sehr aufgeschlossene Gesellschaft ist, dass man seine Entscheidung jedoch vor einer Kommission rechtfertigen muss, wenn man eine kostenlose Abtreibung will. Andererseits weiss jeder, dass man seine wahren Motive verbergen kann, ohne dass auch nur ein einziges Mitglied der Kommission einem den einmal beschlossenen Schwangerschaftsabbruch auszureden versuchen wird.

Warum haben sie «Jaffa» einen so radikalen visuellen Stil verpasst?
Was den Stil angeht, so wollte ich den Film vor allem verführerisch und zugänglich gestalten. «Jaffa» sollte wie ein volkstümliches Melodram aussehen. Naschzeug fürs Publikum, aber mit einem komischen Beigeschmack. Das volkstümliche ägyptische Kino hat mich stark beeinflusst. Diese Art Filme brachte mich dazu, mir die Frage nach der sogenannten E- und U-Kunst zu stellen, die wiederum mit Hochkultur und Volkskultur zu tun haben. Eine Frage, die nicht nur vom künstlerischen, sondern auch vom politischen Standpunkt her interessant ist.

Was haben Sie damit beabsichtigt?
Ich wollte eine Debatte darüber lostreten, was als ästhetisch und edel betrachtet wird und was als minderwertig und volkstümlich, und vielleicht ein ganz kleines bisschen die Grenzen verschieben, die unsere Kreativität einschränken. Und ich wollte zeigen, dass man auf kultureller und ästhetischer Ebene auch die Kultur des anderen, in meinem Fall die arabische Kultur, wertschätzen kann, und nicht nur die europäische Kultur, die in künstlerischer Hinsicht weiterhin als Gradmesser gilt.

Hat sich das für Sie als schwierig erwiesen?
Enorm schwierig. Das Endergebnis ist schlüssig und der Film – so hoffe ich zumindest – ist interessant und hat Stil. Aber alle, die wir an diesem Film zusammen gearbeitet haben, haben wir uns lange gefragt, ob diese stilistische «Hybridform» funktionieren würde.

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